Tinnitus-Rehabilitation

1,5 Millionen Mitbürger über 10 Jahre (2 % der Bevölkerung in Deutschland) sind durch ihr Ohrgeräusch teils bis zur Unerträglichkeit gestört

Ein Symptom - viele Ursachen

Für die Entstehung und Chronifizierung des Tinnitus gibt es zahlreiche Ursachen:
Schädigungen der Haarnervenzellen im Innenohr, z.B. durch Lärm oder Entzündungen, emotionale Belastungen wie Stress, Konflikte am Arbeitsplatz oder in der Familie, Ängste, Depressionen, ein Hang zum Perfektionismus, aber auch Funktionsstörungen der Halswirbelsäule, Kreislauf- oder Stoffwechselstörungen sind nur einige von vielen möglichen Auslösern.

Die normale Reaktion des Organismus auf neue, bisher unbekannte akustische Signale ist die Erhöhung der Aufmerksamkeit für dieses Geräusch (akustische Fokussierung). Auf Grund der engen anatomischen Beziehung von zentraler Hörbahn zum limbischen System (dem Sitz der Emotionen) erfolgt die Verknüpfung des Tinnitus mit Ängsten und vegetativen Störungen. Die akustische Fokussierung und die Angstbesetzung des Tinnitus sind die wichtigsten Gründe seiner Chronifizierung.

Die genannten zentral-nervalen Funktionsstörungen lassen sich entsprechend
ihres Ursprunges auf akustischer Ebene, auf körperlicher und auf der
Ebene sowohl der Wahrnehmungen, als auch der Verhaltensreaktionen therapeutisch beeinflussen.

Unsere Ganzheitliche Therapie

Anfang der 1990er Jahre entwickelten Hazell und Jastreboff mit der Tinnitus-Retraining-Therapie (TRT) die erste brauchbare Therapie des chronischen Tinnitus. Sie bestand aus einer intensiven Aufklärung und einer Anwendung von Geräuschgeneratoren, sogenannten „Noisern“.

Goebel, Hiller, Biesinger und Fichter wiesen seit 1996 auf die psychosomatischen Aspekte bei der Entstehung und Verarbeitung des chronischen Tinnitus hin und erweiterten das TRT um Therapie-elemente aus dem kognitiv-emotionalen Bereich.

Diese Arbeiten waren die Grundlage für eine ganzheitlich ausgerichtete Tinnitus-Rehabilitation, die in unserer Klinik von einem erfahrenen Ärzte-Team geleitet und in Zusammenarbeit mit der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. ständig weiter entwickelt wird.

Tinnitus-Spezial-Programm

Ärztlicher Bereich

  • Nach dem ärztlichen Aufnahmegespräch und der Aufnahmeuntersuchung werden die einzelnen Bausteine individuell zusammengestellt.
  • Intensive HNO-ärztliche Aufklärung im Einzelgespräch
  • Ggf. Verordnung und Anpassung von Tinnitusmaskern, Hör- und Kombigeräten zur akustischen Defokussierung und zur Korrektur einer evtl. Schwerhörigkeit in Zusammenarbeit mit dem auf Tinnitus spezialisierten Hörgeräteakustiker in unserer Klinik
  • Gruppenvortrag über Tinnitusentstehung und Therapie
  • Gruppenvortrag über die neurophysiologischen Zusammenhänge der Weiterleitung, Verarbeitung, Filterung und Hemmung otoakustischer Signale sowie deren Verknüpfung mit dem emotionalen Bereich im limbischen System
  • Gruppenvortrag über psychologische Aspekte bei chronischem Tinnitus

Sozialer Bereich

  • Sozialmedizinische Beratung über evtl. Veränderungen insbesondere des Arbeitsplatzes
  • Sozialmedizische Beurteilung

Die Diagnostik

  • HNO-Ärztliche Untersuchung
  • Ausführliche Anamnese
  • Trommelfellmikroskopie
  • Untersuchung des Nasen-Rachenraumes, des Kehlkopfes sowie der Kiefergelenke
  • Audiometrie, Tympanometrie und ggf. überschwellige Tests
  • Tinnitus-Analyse: Frequenz, Intensität, Verdeckung (nach Feldmann), residuale Inhibition, Hyperakusis, SIE (Sound Induced Exacerbation)
  • Tinnitus-Fragebogen nach Göbel und Hiller
  • Visuelle Analogskala
  • Becksches Depressionsinventar
  • Geräuschüberempfindlichkeitsscore
  • Prüfung des Gleichgewichts
  • internistische Untersuchung bei entsprechender Fragestellung

Die Körpertherapie

  • Krankengymnastik
  • Massagen
  • Osteopathie
  • Kraniosakrale Therapie
  • Brandungswandern
  • Bewegungstherapie
  • Perlsprudelbäder
  • Gleichgewichts- bzw. Schwindeltraining
  • Entspannungsverfahren: Autogenes Training, Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson, Qi Gong, Imaginationsübungen, Pilatesgymnastik


Kognitiv-emotionaler Bereich

  • Psychotherapeutische Einzelgespräche zur Aufdeckung von Belastungen im beruflichen und privaten Umfeld
  • Tinnitusgesprächsgruppe zum Abbau von Ängsten, Vermittlung praktischer Lebenshilfen, Aufmerksamkeitslenkung, Ausdruck von Gefühlen, Verarbeitung von Belastungen oder Kränkungen, Abbau innerer Unruhe, Verbesserung der Tinnitusakzeptanz
  • Psychotherapeutische Tanztherapie
  • psychologische Spezialvorträge

Warum bitten wir Sie zum Gruppentermin?

Unser Tinnitus-Programm enthält eine Abfolge von speziell aufeinander abgestimmten Bausteinen, die aus Vorträgen, einer psychologischen Gesprächsgruppe, Entspannungsverfahren und be­wegungs­therapeutischen Anwendungen bestehen. Um einen vertrauensvollen Rahmen zu schaffen, ist die Gruppengröße jeweils auf maximal 12 Personen begrenzt.

Ganz nach dem Motto „Gemeinsam wird`s leichter...“ ermöglichen wir Ihnen die Teilnahme an einer Gesprächsgruppe mit Menschen, die ähnliche Probleme haben wie Sie. Hierdurch erfahren Sie andere Sichtweisen auf Ihre ganz persönliche Situation.

Beim Erfahrungsaustausch in der Gesprächsgruppe profitieren Sie – oft auch schon stellvertretend – von den Erfahrungen und Lösungsversuchen der anderen Teilnehmer im Umgang mit der eigenen Symptomatik. Sie erleben Verständnis und Unterstützung durch andere. So haben Sie auf einmal unter Gleichgesinnten nicht mehr das Gefühl, mit dem eigenen Problem allein zu sein.

Darüber hinaus gibt es natürlich Themen, die Sie in Ihrer persönlichen Situation mit der Psychologin im Einzelgespräch klären können. Auf diese Weise ergänzen sich Gesprächsgruppe und Einzel­gespräche in idealer Weise. Zusammen genommen ist unser Programm damit in der Lage, Ihre eigenen Kräfte zu aktivieren.

Deshalb empfehlen wir Ihnen, zu den nachfolgenden Gruppenterminen anzureisen. Sollten Sie zwischen den Terminen anreisen, ist die Teilnahme an der Gesprächsgruppe leider nicht mehr möglich; denn der Einstieg auf gleichem Wissensstand und der Austausch in der Gruppe von Anfang an sind grundlegend für das Erreichen Ihrer persönlichen Behandlungsziele.

Wir bieten Ihnen folgende Start- bzw. Anreisetermine:

  • 10. / 11. Januar 2017
  • 07. / 08. Februar 2017
  • 07. / 08. März 2017
  • 04 / 05. April 2017
  • 02. / 03. Mai 2017
  • 30. Mai / 31. Mai 2017
  • 27. / 28. Juni 2017
  • 25. / 26. Juli 2017
  • 22. / 23. August 2017
  • 19. / 20. September 2017
  • 17. / 18. Oktober 2017
  • 14. / 15. November 2017

Eine Anmeldung zu einem dieser Termine sollte rechtzeitig erfolgen, um sicher zu gehen, noch einen Teilnahmeplatz zu erhalten.